There is no justice, there is just us: Kritik der Polizei

Vortrag in Kooperation mit der agfb

-21.10 um 18:00 Uhr im Kulturhaus-

Ende Dezember 2014 hatte ein New Yorker Bummelstreik der Polizei zur Folge, dass sich Verhaftungen, Straßenkontrollen und Strafmandate um bis zu 90 Prozent verringerten. Die zu erwartende Erhöhung der Kriminalitätsrate blieb jedoch aus. Auch nahm das Sicherheitsgefühl der Bevölkerung nicht ab. Für einige wurden die Effekte des Streiks gar als Befreiuung empfunden:

“Die letzten beiden Wochen waren wie ein Urlaub von Angst, Überwachung und Strafe. Vielleicht fühlt es sich so an, nicht die ganze Zeit vorverurteilt und als verdächtige Kriminelle angesehen zu werden. Vielleicht ist das ein wenig so, wie es sich anfühlt weiß zu sein (Aurin Squire 2015)”

“Freund und Helfer” für die einen, “Feind und Ärgernis” für die anderen. Die differentielle Operationslogik der Polizei ist eine Tradition, die seit ihren Anfängen als Institution, für den Staat die Privilegien der herrschenden Klasse schützt und den Willen der Minderheiten abstumpft. Dehumanisierende Strategien wie “Racial Profiling” ist ein Beispiel davon. Die Folgen für Betroffene können mit Rob Nixons Konzept der “slow violence” beschrieben werden: Die negativen Effekte werden in diesem Konzept als über die eigentliche Kontrolle temporal und körperlich hinausgehend aufgezeigt.

“Slow violence” legt ausserdem den Fokus auf die Unsichtbarkeit, Langsamkeit und Stille dieser Gewalt in der Gesellschaft.

Während in den USA und Britannien seit der dritten “Weltkonferenz gegen Rassismus” 2001 in Durban rechtliche Maßnahmen unternommen wurde, wird in Deutschland, der Schweiz, Frankreich und anderen Ländern Europas eine rechtliche Definition dieses rassistischen Polizierens ausgespart.

Dr.’in des. Vanessa Eileen Thompson ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Soziologie der Goethe-Universität Frankfurt. Zuvor war sie Fellow am Department of Black Studies an der University of California, Santa Barbara. Ihre Forschung und Lehre konzentriert sich auf kritische Rassismusforschung, post- und dekoloniale feministische Theorien und Methodologien, Black Studies, Gender- und Queer Studies, Theorien und Kritik der Versicherheitlichung sowie transformative Gerechtigkeit. Thompson engagiert sich in diesen Bereichen auch aktivistisch. Zuletzt erschien ihr Artikel: „Hey, Sie da!“, Postkolonial-feministische Kritik der Polizei am Beispiel von Racial Profiling (In: Kritik der Polizei. Hrsg. von D. Loick, Campus Verlag, 2018).

Daniel Loick ist Philosoph und Sozialtheoretiker an der Universität Frankfurt am Main und Herausgeber des Sammelbands “Kritik der Polizei”. Zuletzt erschienen von ihm unter anderem “Juridismus. Konturen einer kritischen Theorie des Rechts” (2017) und “Anarchismus zur Einführung” (2016).

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